Seit 2014 für das Ehrenamt: Ein Interview zur Stiftung Leben in der Hohen Börde

Anlässlich des europaweiten Tags der Stiftungen am 1. Oktober veröffentlicht das Freiwilligenbüro „aktive hohe börde“ ein Interview mit dem Gründungs- und Vorstandsmitglied der Stiftung Leben in der Hohen Börde Dr. Ernst Daenecke:

 

Freiwilligenbüro „aktive hohe börde“:

Am ersten Oktober findet der europaweite Tag der Stiftungen statt. Auch in der Gemeinde Hohe Börde gibt es eine Stiftung: Die Stiftung „Leben in der Hohen Börde“, sie will die Gemeinschaft und Gestaltung des Gemeinwesens fördern. Im April 2014 wurde sie von der Stiftungsbehörde anerkannt. Herr Daenecke, sie sind damals im Gemeinderat gewesen und seitdem im Stiftungsvorstand aktiv. Wie kam es zur Gründung der Stiftung?

Daenecke:

2010 wurde die Einheitsgemeinde Hohe Börde per Gesetz gegründet. Bei den ersten Haushaltsberatungen der neuen Großgemeinde wurde schnell klar, dass künftig immer wieder Konsolidierungshaushalte auf der Tagesordnung sein würden. Dies bedeutet, dass keine sogenannten freiwilligen Leistungen durch die Gemeinde unterstützt bzw. finanziert werden können. Den Anspruch einer Gemeinde, eine erhöhte Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Gemeinde, zu erreichen, könnte die Gemeinde dann nicht unterstützen. Um Menschen zusammenzuführen, die sich aktiv als Stifter, Spender und ehrenamtlich engagierte Bürger für eine soziale, umweltgerechte und kulturell vielfältige Kommune einsetzen, wurde die Stiftung mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde gegründet.

Freiwilligenbüro „aktive hohe börde“:

Wie lief das ab?

Daenecke:

Durch Kontakte der ehemaligen Bürgermeisterin, Frau Trittel, zu entsprechenden Fachleuten und der Stiftungsbehörde beim Landesverwaltungsamt hat die dazu erforderliche Satzung, sie muss sich an Gemeinnützigkeit orientierten Grundsätzen halten, Gestalt angenommen. Im Gemeinderat waren nicht alle Mitglieder von der Notwendigkeit einer Stiftung überzeugt, aber eine Mehrheit hat mit dem Beschluss vom 10. September 2013 grünes Licht gegeben und auch das Startkapital bereitgestellt. Durch private Spenden, insbesondere von den hiesigen Landwirten, konnte das Startkapital von ca. 73.400, – € aufgebracht werden. So konnte der Antrag auf Anerkennung der Stiftung gestellt werden.

Freiwilligenbüro „aktive hohe börde“:

Womit ging es los?

Daenecke:

Damals gab es verschiedene Initiativen zum Aufbau ehrenamtlicher Strukturen. Mal waren die Kommunen die Träger, mal der Landkreis und am Ende mussten es gemeinnützige Organisationen sein. Durch die Stiftung konnten wir als erste ländliche Gemeinde in Sachsen-Anhalt diese Freiwilligenstrukturen aufbauen und das Signum Engagierte Stadt bekommen. Die formellen Strukturen sind das eine, aber das Wichtigere sind die daraus resultierenden Fördergelder. Mit diesen konnte die Stiftung erste Projekte initiieren und umsetzen. Für die Stiftung entstand eine komplexe Aufgabe, die Beantragung, Verwaltung und ordnungsgemäße Abwicklung bzw. Abrechnung der Fördermittel. Heute noch ist das eine für das Ehrenamt sehr große Aufgabe.

Freiwilligenbüro „aktive hohe börde“:

Wo steht die Stiftung heute?

Daenecke:

Heute hat die Stiftung eine stetig wachsende Zahl von Initiativen unter dem Dach der Stiftung. Dach steht stellvertretend für den Versicherungsschutz und die fachliche Begleitung für die ehrenamtlich aktiven Bürger. Die Freiwilligenagentur „Freiwilligenbüro“, das Repaircafé, das Nähcafé, IT-Gruppe Digitales Dorf usw. sind nur ein Teil der sich regelmäßig treffenden und aktiven ehrenamtlichen Gemeindeglieder. Dazu gibt es jährlich wiederkehrende oder auch einmalige Veranstaltungen. Durch entsprechende Fördermittel des Landes und weiterer Geldgeber ist es gelungen seit 2013, zunächst über die „Engagementdrehscheibe“ eine feste Personalstelle zur Unterstützung der ehrenamtlich Aktiven bei der Stiftung zu installieren. Die neueste Errungenschaft ist die Eröffnung des Hauses des Ehrenamtes in Hermsdorf im ehemaligen Hort. Neben den bisher schon dort aktiven Gruppen sind ein Seminarraum und ein offener Raum dort für ehrenamtliche Aktivitäten und Begegnungen vorhanden. In kleinen Schritten erweitert sich das Spektrum ehrenamtlicher Aktivitäten. Durch Fachveranstaltungen wird den Vereinen der Gemeinde Unterstützung in ihrer Arbeit angeboten.

Freiwilligenbüro „aktive hohe börde“:

Was wünscht sich der Vorstand der Stiftung für die Zukunft?

Daenecke:

Zunächst wir sind sehr dankbar für die wohlwollende Begleitung und Unterstützung der Stiftung durch Bürgermeister Burger, die Gemeindeverwaltung und den Gemeinderat. Wir wünschen uns hier natürlich Kontinuität. Stiftungen leben, ihrer Idee nach, von den Erträgen aus dem Stiftungsvermögen. Für junge Bürgerstiftungen, wie wir es sind, hat der Aufbau solcher Vermögen oberste Priorität, ohne die laufenden Aktivitäten zu vernachlässigen. Derzeit werden unsere Aktivitäten vorwiegend aus Fördermitteln und die Eigenanteile durch Spenden finanziert. Deshalb wünschen wir uns sowohl Zustiftungen zum nicht verbrauchbaren Stiftungsvermögen als auch Spenden für die laufenden Projekte. Für letztes verschicken wir immer entsprechende Bettelbriefe.

Freiwilligenbüro „aktive hohe börde“:

Das Prinzip von Spenden und den dafür ausgestellten Spendenquittungen für das Finanzamt ist geläufig, aber was sind Zustiftungen?

Daenecke:

Zustiftungen sind Gelder oder Vermögenswerte, auch Immobilien, die dem Stiftungsvermögen zugefügt werden. Das Stiftungsvermögen muss erhalten bleiben. Die Stiftung darf gesetzlich und laut Satzung nur die Erträge aus dem Vermögen für die Erfüllung der Stiftungszwecke verwenden. Zustiftungen entfalten also sehr langfristige Wirkungen, man spricht auch von Ewigkeitsstiftungen. Hierfür kommen hautsächlich größere Werte in Frage. Wer seine Heimat seine Gemeinde langfristig und nachhaltig unterstützen will, kann dies durch Zustiftungen tun. Die Stiftung kann auch als Erbe eingesetzt werden. Da dieses Thema auch steuerlich besondere Vorteile hat, sollten Interessenten hierfür zunächst Kontakt zum Stiftungsvorstand aufnehmen.

Zu den Initiativen unter dem Dach der Stiftung Leben in der Hohen Börde gehören ein Bilderbuchkino, die Bücherzellen und ihre ehrenamtlichen Paten, die Digitalhelfer aus dem „Digitalen Dorf“, die Wanderstempel der Holunder-Entdeckungstour und ihre ehrenamtlichen Paten, ein Keramikkurs, ein Kinder-Yogakurs, ein Korbflechtkurs sowie ein Repair- und Nähcafé. Darüberhinaus finden eigene Veranstaltungen, wie der Freiwilligentag, das Streuobstfest in Bornstedt, ein Vereinsforum mit kostenlosen Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Tour de Börde als Kooperationsveranstaltung mit der Gemeinde Hohe Börde statt. Weitere Informationen sind unter www.aktivehoheboerde.de zu finden. Fragen zu den einzelnen Aktivitäten beantwortet das Freiwilligenbüro „aktive hohe börde“, dessen Träger die Stiftung Leben in der Hohen Börde ist: info@aktivehoheboerde.de oder 0170-1027056.

Vorstandsmitglied der Stiftung Leben in der Hohen Börde Dr. Ernst Daenecke gibt Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Stiftung.